Kirchenrenovation

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur Renovierung unserer Kirche.

Aktuell

Auf den letzten Bescheid des Denkmalamts reagierte Architekt Oeldenberger Anfang Dezember mit einem Hilferuf an uns:
„Es wird immer chaotischer…. jetzt werden hohe und ebene Bankspiegel gleichzeitig vorgeschlagen…Altar wieder die alten Fliesen!“

Das Denkmalamt hatte vorgeschlagen, Bankpodest und Bänke im hinteren Kirchenraum zu erhalten und im vorderen Bereich Stühle zu stellen.

Zum Chorraum schrieb es: „Um den Altar wäre es sehr gut vorstellbar…, die bestehenden Fliesen zu erhalten und die Fehlstellen durch einfarbige Fliesen im gleichen Format auszufüllen.“

Der Kirchengemeinderat befand in seiner Sitzung am 12. Dezember, dass beide Lösungen völlig ungeeignet sind. Er befürwortete den Vorschlag von Pfr. Hoffmann, jetzt das Baureferat des EOK zu bitten, sich direkt mit der Leitung des Denkmalamts in Freiburg in Verbindung zu setzen, um die Lage zu klären. Architektin Hautau vom EOK berät nun in ihrem Referat und dann mit Freiburg.

Ein Glasfachmann hat die bedenkliche Biegung im oberen Teil des zentralen Chorfensters begutachtet. Sie ist auf die Erwärmung durch die Sonneneinstrahlung (Südausrichtung) zurückzuführen. Eine Reparatur ist erforderlich, aber machbar. Kostenvoranschlag folgt. 


 Präsentation in Gemeindeversammlung am 26.11.2017

 

Wenn Sie sonntags morgens aus der Innenstadt oder vom Bahnhof her auf die Christuskirche zugehen, sehen Sie einen stolz in die Höhe gereckten schlanken Turm und eine auffällige neugotische Kirche. Man hält sie auf den ersten Blick für noch älter, sie ist Jahrgang 1905/6.  Das alte Foto muss nach 1925 aufgenommen worden sein, denn rechts sieht man das neu gebaute Pfarrhaus. Erkennen Sie, was an der Kirche fehlt? In der Tat: Erst 1964 im Zuge einer Außenrenovierung kam von der Hebelschule die Uhr auf den Turm!
Die Grundsubstanz dieses markanten Gebäudes ist sehr solide und ihre Größe und Architektonik für eine Gemeinde von damals nicht einmal 300 Gemeindegliedern höchst ungewöhnlich. Aber unter den ersten Evangelischen am Hochrhein waren viele Kaufleute, Unternehmer und höhere Beamte, die offenbar für die Finanzierung eines so großen Projekts bürgten, schweizerische Gemeinden zur Unterstützung gewannen und selbst beachtliche Ausstattungen finanzierten: die neugotische Kanzel und den Altar, die damalige Orgel und das schöne Chorfenster im Jugendstil. Auch das Gustav-Adolf-Werk zur Unterstützung evangelischer Gemeinden in der Diaspora half kräftig mit.
Das repräsentative Äußere der Kirche wurde durch die Jahrzehnte gut gepflegt, wichtig vor allem die neue Dachdeckung Ende der 80er-Jahre. Man muss ziemlich genau hinschauen, um Schwachstellen zu entdecken.

 

 Ein großes Geheimnis: Wie sah die Kirche innen aus, als sie im September 1906 eingeweiht wurde?
Es gibt viele Fotos von außen, kein einziges von innen! Bis vor kurzem kannten wir überhaupt kein Foto aus den ersten 50 Jahren, das den Chorraum oder das Kirchenschiff zeigt. Warum nicht?

1906 hat der kleinen Gemeinde das Geld einfach nicht gereicht, um nach dem imposanten Äußeren auch das Innere der Kirche ansehnlich zu gestalten. Ein Handwerker klagte noch ein Jahr später seine Rechnungen ein, eine Bitte des Ältestenkreises nach Karlsruhe um ein erneutes Kirchenopfer für den Kirchenbau wird strikt zurückgewiesen, den Auftrag an den Schreinermeister für die Kirchenbänke fanden wir in den Akten rot durchstrichen.

Zufällig fanden wir diese alte Postkarte, die oben die Außen-, unten diese Innenansicht zeigt. Der Fotograf hat offenkundig seine Aufnahme retuschiert – der Bodenbelag im Mittelgang sah nach dem, was wir wissen, nie so glatt aus. Aber noch interessanter ist:  Die Kirchenbänke hatten kein Podest, keinen sogenannten „Bankspiegel“, der Boden war eben!
Rechts vorne sieht man den alten Ofen, der mit langem Rohr in den noch heute vorhandenen Schornstein führte. Die Decke war hell gestrichen zwischen den Holzbögen im Tonnengewölbe, die Wand- und Deckenränder jeweils ornamental oder mit gemalten Quadern im Chorbogen verziert. Über dem Chorbogen steht ein Satz aus dem 1.Johannesbrief: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“.

 

 Nach fast 30 Jahren Kohleheizung waren die Wände verrußt und ein Neuanstrich fällig – aber was für einer! Das dunkle Rot im Gewölbe und die dunkelbraunen Anstriche der Holzträger gibt es heute noch, die ebenso dunkelbraunen Anstriche der Kirchenbänke wurden später wieder aufwändig entfernt. Die Randquader im Chorbogen und die „Sterngewölbedecke im Chor“ von 1906  hat Malermeister Nagel 1934 „abgewaschen“ und neu gestrichen. Die Rechnung stammt aus dem Monat Mai 1934, in dem auch die „Barmer Erklärung“ gegen den Eingriff des NS-Staates in den Auftrag der Kirche verabschiedet wurde. Der damalige Tiengener Pfarrer Burckhardt stand der Bekennenden Kirche nahe und sogar unter Beobachtung der SS. Leider wissen wir gar nicht, wie und warum diese drastische farbliche Veränderung des Kirchenraums erfolgt ist. Manche Gottesdienstbesucher empfinden die dunkle Decke als bergend, andere als bedrückend. Die Farben spielen eine enorme Rolle bei unserem Gefühl in einem Raum. Einladend und annehmend – das sind in unseren Gesprächen zwei wichtige Worte. Auch das Annehmen einer anderen geistlichen Sicht, der von 1906. Der ursprünglichen Idee für diesen Kirchenraum entsprechen die jetzigen Farben jedenfalls nicht.

 

 Renovierungsbedarf

Das kleine Dach über dem Seiteneingang, der für Rollstühle oder Kinderwagen mit einer Rampe versehen wurde, zeigt in den Holzbalken morsche Stellen – dieses Dach müssen wir unbedingt in Stand setzen. Ein zweites kleineres Dach in ähnlicher Konstruktion müssen wir über den tiefer gelegten Eingang zum Heizungskeller anbringen, weil uns immer der Regenablauf verstopft. Sorgen macht uns auch der steile Treppenaufgang zur Kirchentür, bei dem es kein hilfreiches Geländer gibt. Und ein Letztes im Außenbereich: Wenn Sie bei Dunkelheit auf unsere Kirche schauen, sehen Sie sie schön ins Licht gesetzt – aber von Strahlern, die nicht nur Strom sondern auch viele Insekten fressen! Das wollen wir dringend ändern. 

 

Bei der Renovierung 1934 wurde der Ofen entfernt und ein Kellerraum unter der Sakristei gebaut, von dem aus verschiedene Heizluftsysteme mit unterschiedlichen Öffnungen in den Kirchenraum geleitet wurden. Die alten Schächte blieben und wurden irgendwie abgedeckt, überstrichen oder zuletzt mit den unpassenden Küchenfliesen vor den Altarstufen überfliest. Dieses Stückwerk ist heute noch sichtbar an dem einzigen Ort, den wir uns für den Taufstein und die Tauffeiern vorne rechts vorstellen können. Da muss vorher aber gründlich aufgeräumt werden und zwar nicht nur optisch!
Den Heizluftschacht kann man, so unser Architekt, relativ leicht verlegen. Aber unsere Ölheizung ist fast 20 Jahre alt. Wäre es da nicht ökologisch sinnvoll, über eine neue Heizanlage nachzudenken?
Und wie machen wir den Boden neu? Einfach alles gleichmäßig überfliesen? Die Bänke mit dem festen Podest, dem sogenannten „Bankspiegel“, lassen vorne nur ganz wenig Platz. Wie gewinnen wir dort mehr Raum für die Tauffamilien oder besondere Gottesdienste in kleinem Rahmen? Was machen wir mit dem Höhenunterschied und dem vorderen festen Abschluss der Bankreihen? Eine Frage zieht die andere nach sich. Da wurde uns klar: Wir brauchen ein Gesamtkonzept!

 

Unsere größte Sorge gilt dem Chorraum. Seit Jahren senkt und(!) hebt sich der Boden, Chorgestühl und Altar wurden provisorisch angepasst, die Stufen sind gefährlich schräg und haben schon zu einer Verletzung geführt. Wir haben unter dem Altar den Boden geöffnet und mussten feststellen, dass in die ganze Erhöhung Feldsteine geworfen und nur mit einer dünnen Mörtelschicht überdeckt worden waren. Direkt darauf wurden fugenlos die Mosaikfliesen verlegt, sie werden kaum bruchlos abzulösen sein. Aber das Denkmalamt besteht darauf, dass wir irgendwie die Fliesen retten… Wenigsten wird uns erlaubt, das Chorgestühl zu entfernen und an anderer Stelle unterzubringen. So gewinnen wir Platz für den Kreis beim Abendmahl. Auch die große Platte, die später auf den schönen alten Altar aufgesetzt wurde, werden wir wohl wieder abnehmen. Die klare Korrespondenz von Kanzel, Altar und Chorfenster hat uns beeindruckt, als wir einmal zur Probe den Chorraum von allem Überflüssigen und Hinzugekommenen befreiten. Die alten und die neuen Vorstellungen passen manchmal wunderbar zusammen!
Nun werden wir den gesamten erhöhten Chorraum abtragen und neu aufbauen müssen. Das geht nur mit Maschinen, die durch die gesamte Kirche fahren müssen. Wenn dort der Boden ähnlich schlecht aufgebaut ist – was wir befürchten -, dann wird er deutlich darunter leiden.
Erst bei der genauen Inspektion haben wir bemerkt, dass im oberen Teil unseres schönen Chorfensters eine Biegung entstanden ist. Verantwortlich dafür ist die Glasscheibe, die zum Schutz nach Süden hin davor gesetzt worden ist. Ein Glasfachmann hat sich den Schaden besehen und sagt: Das ist eine Wärmebiegung, die kriegen wir wieder hin! Aber billig wird es auch nicht.

 

Unser Fotograf ist nicht der kleinste – und trotzdem sieht er nicht viel, wenn er auf einer Bank auf der Empore sitzt. Früher, habe ich mir erzählen lassen, saßen dort die Kirchenältesten. (Noch viel früher sollten sie im Chorgestühl sitzen, hinter dem Altar und mit frontalem Blick zur Gemeinde. Ob das je ein Ältestenkreis gemacht hat?!) Pfarrer Stockburger hat zwar öfter noch die Kanzel zur Predigt genutzt, seinen Kirchenältesten aber damit gedroht, dass er nie zur Empore schaut, wenn sie sich dorthin setzen…
Von oben fallen auch die von der Decke hängenden Lampen auf. Sie beeinträchtigen den Blick zusätzlich und sind wahrlich keine Augenweide. Die gesamte Beleuchtung und Elektrik der Kirche muss dringend erneuert werden. Eine Spezialfirma hat uns ein gut anzuschauendes Gesamtangebot gemacht, gut allerdings auch in der Preisklasse.
An der Grundkonstruktion der Empore können wir nichts ändern. Aus Sicherheitsgründen dürfen wir den Boden nicht erhöhen, aus Denkmalschutzgründen die Brüstung nicht durchbrechen für mehr Sichtkontakt. Den Fußboden erneuern wir in jedem Fall, und in die Nähe des Orgeltisches kommt ein Beamer zur Projektion von Liedversen oder Bildern an die rechte Stirnseite. 

 

 

 

 

Wie bekommen wir Platz für das Kirchencafé? Im Herbst 2016 war dies die Ausgangsfrage für den ersten Entwurf von Architekt Oeldenberger. Unter der Empore sollten einige Bänke der Möglichkeit weichen, Tische zu stellen, ein halbhohes Regal sollte den Bereich vom eigentlichen Kirchenraum mit den Bankreihen trennen. Eine Glastür zum Vorraum, durchbrochene Emporenbrüstung, ein neues Lichtkonzept, ein neuer, gleichmäßiger Fliesenboden über dem bisherigen und natürlich ein freundlicher, heller Anstrich von Wänden und Decken – schon mehr als erste Ideen.

Wenige Tage, nachdem die Zeitung von den Plänen berichtete, stand das Denkmalamt auf der Matte.
Damit beginnt eine abenteuerliche Entdeckungstour mit der Frage: Wie sah die Christuskirche in ihrer Ursprungszeit eigentlich aus und wie darf sie sich in Zukunft präsentieren? 

 

Ein freundlicher Eingangsbereich.

 

 

Hier war maximal bestuhlt, bis an die Wände. Die moderne Beleuchtung ist überzeugend.

 

Der Chorraum strahlt eine Ruhe aus, nichts stört. Man beachte die zwei glänzenden Stellen im Boden: verdeckte Hülsen für einen variablen Handlauf.

 

 

 

Wie könnte die Christuskirche mit einem ebenen Boden und Stühlen statt Kirchenbänken auf einem Podest aussehen – und welche Gestaltungsmöglichkeiten würden wir dadurch gewinnen? Wir baten unseren Architekten um eine erste optische Darstellung am PC.
Real haben wir zeitweise die ersten Bankreihen rechts durch die Stühle ersetzt, die schon als Ergänzung vorhanden sind. Erstaunlicherweise fiel das den meisten Gottesdienstbesuchern gar nicht auf und den Ältesten gefiel die Variante sehr.

 

Ein dritter Besuch des Denkmalamts – und unser dritter Versuch, mit einem Kompromissvorschlag darauf einzugehen: Wir könnten einen Teil der Bänke, wie gefordert, auch im hinteren Bereich unter der Empore erhalten, wenn die gesamte Bodenfläche eben ist. Dann könnten wir das Kirchencafé weiter vorne stattfinden lassen und brauchen hinten nur einen unauffälligen Schrank mit verdeckter Spüle.
Jetzt soll uns der Oberkirchenrat weiter beraten und das Denkmalamt  endlich zu einer klaren Aussage bewegen, die für uns auch akzeptabel ist.

 


November 2017: Beitrag aus dem Gemeindebrief

In den vergangenen Wochen besichtigte der KGR einige sehr erfolgreich renovierte Kirchen in der Umgebung, in Kadelburg, Grenzach und Laufenburg. Wir waren beeindruckt, wie hell und einladend die Kirchen wirkten. Es fiel auf, dass in allen Kirchen die Kirchenbänke durch Stühle ersetzt worden waren. Auf Anfrage wurde uns erklärt, dass man dadurch  die Gottesdienstformen viel besser den Gegebenheiten anpassen könne.

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